Monatslied Juli 2020

Gotteslob Nr. 452 – Der Herr wird dich mit seiner Güte segnen

 

Der Text des Liedes stammt aus der Feder von Franziskanerpater Helmut Schlegel aus dem Jahr 1983.

Schlegel schafft neben dem Kehrvers, 7 Strophen, in denen er den großen aronitischen Segen aus dem Buch Numeri entfaltet. Gott offenbart Mose, wie Aron und seine Söhne das Volk segnen sollen.

Strophe 1: Der Herr

Strophe 2: segne dich

Strophe 3: und behüte dich;

Strophe 4: Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir

Strophe 5: und sei dir gnädig

Strophe 6: Der Herr hebe sein Angesicht über dich

Strophe 7: und gebe dir Frieden.

 

Die vorliegende Melodie stammt von Thomas Gabriel aus dem Jahr 1998 als Auftragskomposition zum 25-jährigen Jubiläum des Amtes für Kirchenmusik in Freiburg. Die ursprüngliche Melodie in d-Moll von Winfried Heurich ist eher weniger bekannt. Gabriel nahm sich das Freiburger Münster als Beispiel für diese Komposition. Das Lied verläuft in langen Bögen, gleich denen des Deckengewölbes im Münster. Ungewöhnlich ist der Wechsel von D-Dur nach F-Dur im Kehrvers. Es ist dies ein Bild dafür, dass die Begegnung des Menschen mit Gott diesen auf eine neue Ebene führt. In der Begegnung mit Gott wird der Mensch verwandelt.

 

Gott wird in der ersten Strophe als der Schöpfer allen Seins angesprochen und obwohl er das unbeschreiblich große Universum schuf, er jeden einzelnen Menschen beim Namen kennt, ja, an seinem Leben Anteil nimmt. Der Mensch ist unauslöschlich in die Hand Gottes geschrieben, der ihn schützt und begleitet.

 

Gott segnet den Menschen bereits bei der Schöpfung. Wenn ein Mensch über einen Anderen einen Segen spricht, ist dies sowohl der Wunsch und die Bitte an Gott zu segnen, aber auch die Zusage bereits gesegnetes Kind Gottes zu sein. Gott ist den Menschen im Allem nahe. Alles Wirken des Menschen kann nur unvollkommen sein, daher kann der Mensch Gott nur bitten, das was fehlt zu vervollkommnen, denn wenn der Mensch etwas mit Gott zusammen schafft, dann wird dies immer über das hinausgehen, was der Mensch allein vermag.

 

Die Bitte nach Gottes Segen reicht über ein einfaches „Du“ hinaus. Es umfasst auch „all die Deinen“. Es geht darum, dass Gott seine schützende und liebende Hand über alle Menschen hält, wie ein schützendes Haus. Ja, Gott soll den Menschen selbst zu einem Haus werden, einem Haus, in dem die Menschen sich geborgen und wohl fühlen. Zum Wohlfühlen und sich geborgen fühlen gehören die Menschen, die einen lieben und die man selbst liebt dazu. Der Mensch ist nicht darauf angelegt allein zu bleiben, sondern Gemeinschaft zu schaffen und Gemeinschaft stiften.

Gott liebt den Menschen und diese Liebe soll weitergegeben werden. Dies kann aber nur geschehen, wenn der, der sie weitergibt, selbst von dem Feuer dieser Liebe angesteckt ist. Er selbst muss für Gott brennen, damit er andere mit dieser Liebe anstecken kann.

 

Der Mensch verstrickt sich dabei aber immer wieder auch in Dingen, die dieser Liebe Gottes widersprechen. Er fesselt sich selbst mit Sünde und Schuld. Mit der Zeit werden die Stricke, mit denen der Mensch sich knebelt immer enger, sodass das Atmen schwer fällt und der Mensch niedergedrückt wird. Gott befreit den Menschen von dem, was ihn niederdrückt und fesselt, wenn er sich seiner Liebe anvertraut und seiner Zusage, dass er ihn auch trotz seiner Schuld liebt, glaubt.

 

Augustinus formuliert in Anlehnung an den Psalm 42 bereits: „Meine Seele ist unruhig in mir, bis sie ruhig wird in dir“. Der Frieden, den Gott den Menschen schenken möchte, soll nicht bei ihm selbst stehen bleiben, sondern er muss weitergegeben werden, in und durch die Gemeinschaft derer, die an Jesus glauben. Gottes Geist und der liebende Blick Gottes gehen dabei immer mit seinem Volk. Der Mensch wird durch diesen Blick voller Liebe und Frieden selbst fähig zum Frieden und zur Bereicherung für die Welt zu werden, in der er mit wachem Blick, offenem Herzen und einer helfenden Hand der Gerechtigkeit „nachjagt“.

 

Dieses Lied beschreibt die große Zusage Gottes den Menschen zu segnen, zu begleiten und nie aufzugeben für ihn zu kämpfen. Es ist Ansporn für jeden Menschen diesen Segen anzunehmen und mit Gott einen Weg zu gehen, der Leben heißt, in der Gewissheit, dass Gott jeden mit Namen kennt und den Weg in allen Niederungen und bei allen Höhenflügen mitgeht.

David Gomolla